Coworkingspaces gibt es viele in Berlin. Hier treffen sich die Digitalen Nomaden, junge und nicht mehr ganz so junge, Was-mit-Medien-Menschen, Hipster und Normalos, Architekten, Übersetzer. Sie mieten sich für Stunden, Tage und Monate einen Schreibtisch um nicht im Homeoffice zu vereinsamen, um Menschen zu sehen und um einen geregelten Tagesablauf zu leben. Das funktioniert gut. Bis die Digitalen Nomaden Kinder bekommen.

Willkommen in der Realität

Wer sich daran gewöhnt hat mit leichtem Gepäck zu reisen und sich schnell dort zuhause zu fühlen, wo das Laptop W-Lan hat, erlebt mit Kind oft einen kleinen Realitäts-Schock. Vor allem wenn es um die Vereinbarkeit von Arbeit und Nachwuchs geht. Selbst wenn sich alles ideal fügt, stehen Digitale Nomaden mit Kleinkind bald vor der gleichen Erkenntnis wie festangestellte Büroarbeiter mit Präsenzpflicht: Arbeit und Kinder passen nicht zusammen. Eigentlich.

Betreuungsnotstand am Brückentag

Die Erkenntnis erwischte auch die Texterin Tanja Thiede und die Architektin Silvia Steude als sie mit Kind in Berlin standen und überlegten, wie sie das alles managen. Selbst wenn für das Kind der ideale Kitaplatz gefunden ist, entstehen Betreuungslücken, die auch für den flexibelsten Freiberufler schwer zu handeln sind. Es gibt Schließzeiten, Brückentage, Schnupfentage, Pädagogische Tage – kurz eine ganze Reihe Tage im Jahr, an denen die Kita eben nicht den Betreuungsalltag übernimmt. Wer wie viele Mittedreißiger in Berlin zugezogen ist und eben keine Großeltern in der Nähe hat, gerät immer wieder in einen Betreuungsnotstand. Wenn die Kita einen Brückentag nimmt und der Schreibtisch voll liegt, hat der Freiberufler in der Regel zwei Möglichkeiten: freinehmen und Auftraggeber vertrösten. Oder eine Babysitterin bezahlen und versuchen im Nebenzimmer zu arbeiten. Mit Kind uns Job wird jeder Tag auf eine ganz eigene Art spannend, auf einmal haben Mütter und Väter den Eindruck, permanent zu viele Bälle in der Luft zu haben. Das Leben wird zum Jonglage-Akt. So kam das Juggle Hub zu seinem Namen. Mit Juggle Hub gibt es seit einem Jahr eine dritte Möglichkeit für den Fall, dass Arbeit und Kind zuhause scharf konkurrieren: Kind und Laptop einpacken und ab ins Juggle Hub, ein Coworking-Space mit Kinderbetreuung.

Büro mit Spielzimmer

Das Juggle Hub in der Christburgerstraße im Winsviertel ist im Grunde erst einmal ein ganz normales Coworking Space: leere Schreibtische, große Räume, W-Lan für alle und eine Kaffe-Bar. Wer hier herkommt, klappt sein Laptop auf und arbeitet los. Gelegentlich gibt es Yoga- oder Jonglage-Workshops.Der einzige markante Unterschied ist der Kinderbereich. Ein Spielzimmer mit Rutsche, Spielküche, Bällen, Lego und allen möglichen sonstigen Herrlichkeiten, ein eigenes Bad mit Wickeltisch und ein Ruheraum für Mittagschlaf und Rumbummeln. Die Kinderräume sind nicht jeden Tag voll besetzt. Wer Betreuung wünscht, soll am Tag zuvor sein Interesse anmelden, sonst sind eventuell nicht genug Erzieherinnen vor Ort. „Wir sind kein Kita-Ersatz,“ erklärt Silvia Steude, „sondern das Back-up für den Tag, an dem die normale Betreuung nicht greift“. Manche Eltern kommen an bestimmten Tagen mit ihrem Nachwuchs, andere haben noch keinen Kitaplatz und üben hier stundenweise die Wiedereingliederung ins Berufsleben, wieder andere kommen wenn die Kita aus irgendeinem Grund nicht reicht. Manche Stammkunden haben überhaupt keine Kinder, stören sich aber nicht am gelegentlichen Gewusel in den Arbeitsräumen.

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