Väterzentrum „PAPALADEN“

Text: Christiane Kürschner

Was wurde nicht schon alles über die Mütter aus dem Prenzlauer Berg geschrieben! Sie bekommen Kinder, widmen sich dem Nachwuchs wie einem Projekt, dass es zum Erfolg zu führen gilt. Entweder arbeiten sie und verdienen übermäßig gut – oder sie halten ihren erfolgreichen Männern den Rücken frei und trinken den ganzen Tag Latte Macchiato in Cafés. Sie kaufen bio, sie essen vegan und haben eine klare Meinung zum Thema Stillen, der bedürfnisorientierten Erziehung und dem After Baby-Body. Und was machen die Papas? Die treffen sich im Väterzentrum.

Um kurz nach zehn trudelt der erste Vater ein. Er stellt den Kinderwagen im Papaladen ab, sein Kind schläft noch friedlich darin. Nicht lange, prophezeit er – und hat recht. Nach und nach kommen immer mehr Väter, die Reihe der Kinderwägen wird länger und der große Raum füllt sich mit Leben. Seit zehn Jahren gibt es das Väterzentrum in der Marienburger Straße. Hier können sich Papas unter der Woche im Papa-Café ungestört treffen, um sich auszutauschen. Für die Kleinen gibt es Spielzeug und gesessen wird auf Sportmatten. Teelichter, ätherische Musik und – natürlich – Stillkissen sucht man hier vergebens, was ganz erfrischend ist.
„So eine Krabbelgruppe strukturiert auch den Tag“, erklärt Nepomuk, der an diesem Donnerstag aus dem nahen Weißensee gekommen ist. Wie auch Peter und Uli kommt er mit seinem zweiten Kind in die Krabbel- gruppe, die Erfahrung im Umgang mit Kleinkindern spiegelt sich in Lässigkeit wider. Das unterscheidet womöglich diese reine Vätergruppe von herkömmlichen Krabbelgruppen, in denen noch immer vornehmlich Mütter zu finden sind. Einige erzählen von ihren Besuchen in solchen Krabbelgruppen, in denen Männer durchaus willkommen sind. Spätestens beim Austausch der Geburtserfahrungen und Themen wie dem Stillen sind sie dann aber raus. In der Männergruppe herrscht eine angenehme Atmosphäre, sehr unaufgeregt geht es zu. Neben dem Papa-Café gibt es am Wochenende auch ein Familien-Café, zu dem Muttis und Geschwister mitkommen dürfen. Angebote wie das Weihnachtsbaumschlagen, Papa-Kind-Reisen und Kickerturniere runden das Angebot ab.

Elternzeit: Zeit für Vater und Kind

„Die Gründung des Väterzentrums war zunächst eine politische Idee“, erzählt Eberhard Schäfer, der die Einrichtung gemeinsam mit Marc Schulte ins Leben gerufen hat. Vor etwa zehn bis 15 Jahren hätte es einen spürsamen Rollenwandel gegeben, über den auch viel gesprochen wurde, so Schäfer. Frauen forderten, dass auch sie Vollzeit arbeiten gehen können, von Männern wurde mehr Verantwortung in Sachen Erziehung erwartet. „Die Vaterschaft wird gefordert, aber nicht gefördert“, so Schäfer. Das Väterzentrum entstand aus der Idee, ein Anlaufpunkt für Männer zu werden, die sich bewusst dazu entschieden haben, Papa zu sein. Solche Papas finden sich auch im heutigen Papa-Café.
„So eine Elternzeit ist ideal für die Beziehung zum Kind“, sagt Nepomuk, die Chance müsse man nutzen. Außerdem hätte seine Frau es gar nicht ein Jahr zu Hause ausgehalten, mit einem Kind, dass nicht sprechen kann, erzählt er und lacht. Er hätte dagegen kein Problem damit. Dass sie Elternzeit nähmen, dass sei im Umfeld auch nichts besonderes, so Peter. Vielmehr gebe es eher einen sozialen Druck, wie alle anderen Väter, Elternzeit zu nehmen. Es würde also – zumindest in Prenzlauer Berg – eher anstößig sein, nicht in Elternzeit zu gehen? Wahrscheinlich schon, so die Männer. Tatsächlich weist laut Väterreport 2016 Berlin hinter Bremen (4,2 Monate) mit einer durchschnittlichen Elternzeit von 3,9 Monaten die zweithöchste Elternzeit-Dauer in Deutschland auf. Etwa 37 Prozent der Väter nehmen hier Elterngeld in Anspruch und gehen in Elternzeit. Die Väter in der heutigen Krabbelrunde nehmen durchschnittlich sechs Monate Elternzeit.

Übersättigung: Alles so schön hier

Axel ist aus dem weiten Zehlendorf angereist, um am Papa-Café, einer bundesweit einmaligen Einrichtung, teilzunehmen. Im Süden Berlins sieht die Welt gleich ganz anders aus. Als er bekanntgab, dass er sechs Monate Elternzeit nehmen würde, hat er in seiner Umgebung ein „Oh, ist das toll“ und viel Bewunderung geerntet. Uli wohnt im Prenzlauer Berg: „Mit Kind ist man hier nichts Besonderes.“ Der Jurist nehme wahr, dass Kinder hier etwas Selbstverständliches sind und es trotzdem – oder gerade deshalb – wenig Rücksichtnahme gebe; im Wedding gehe man anders mit Eltern und Kindern um. „Es gibt hier einfach eine Übersättigung“, so Uli. Peter stimmt ein. „Es ist hier sauber und lang weilig, es gibt kaum alte Menschen und Studenten“, so der Anwalt, der vor zehn Jahren nach Prenzlauer Berg zog.

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