In ganz Berlin summt es im Sommer, süßer Honig von Hauptstadt-Bienen ist ein perfektes Mitbringsel. Das Imkern ist ein Trend, den wir auch im Prenzlauer Berg finden. Ein Bienenzüchter erzählt, was ein Nachwuchs-Imker mitbringen muss und wie sich die Liebe zur Biene gestaltet.

Gib Zucker, Imker!

Karsten Harazim fährt mit dem Lastenfahrrad vor, einige Kilo feinsten Zucker dabei. Auf dem Hof eines grünen Grundstückes in Weißensee stehen seine Beuten, in denen sich tausende Bienen tummeln. Gleich daneben befindet sich die Werkstatt, die er sich als Tischler mit anderen Handwerkern teilt. Die fetten Monate sind in diesem Jahr vorüber, die nahegelegenen Linden sind abgeblüht. Der Imker füttert jetzt zu, heute gibt es Zuckerwasser für die kleinen Summer. Je nachdem, wo die Bienenkästen, Beuten genannt, stehen, entsteht Lindenhonig, Akazienhonig, Blütenhonig oder beispielsweise Mischhonig. In Berliner Imkereien entstehen besonders häufig Honigsorten aus Linden und deren Honigtau, so auch bei Karsten. Seit vier Jahren ist er Hobbyimker, seine Betriebsweise orientiere sich aber an der traditionellen Imkerei nach Bruder Adam, an der sich auch viele Berufsimker richten. Zunächst besuchte er die Seminare von Dr. Benedikt Polaczek, einem Imkermeister an der Freien Universität Berlin, der schon so manchen Bienen-Fans etwas über optimale Bienenbeuten, Rähmchengrößen und die Königinnenzucht beibrachte. Ein Bienenpate begleitete Karstens erste Schritte, er ist im Imkerverein Kreuzberg Mitglied, für spannende Vorträge und Weiterbildungen ist er auch zu Gast in anderen Berliner Vereinen, denen etwa 1200 Mitglieder angehören.

Herr über 60.000 Bienen

Dazulernen kann man immer, denn kein Bienenjahr ist wie das andere und auch kein Imker ist wie der andere. „Das Besondere am Imkerhobby ist wahrscheinlich auch, dass es einen großen Gestaltungsspielraum gibt“, so Karsten. Die einen nützten diese Beute, die anderen jene, der eine Imker erntet seinen Honig Mitte Juli, der andere am Ende – „es gibt keine verbindlichen Maßstäbe, in welchem Umfang und in welcher Herangehensweise man seine Bienen hält“. Wie man seine Bienen auch hält, heraus kommt immer Honig.

Für das Winterfüttern seiner Völker, die im Sommer zwischen 40.000 und 60.000 Bienen umfassen, nutzt Karsten handelsüblichen Zucker, was für Bio-Imker ein No-Go wäre. Die nutzen beispielsweise Bioland-Rübenzucker und Bio-Rohrzucker aus Übersee, was ein Vielfaches des herkömmlichen Zuckers kostet. Er überlege, sich mittelfristig als Bio-Imkerei zertifizieren zu lassen, so Karsten, denn seine Bienenhaltung entspricht den Anforderungen an Bio-Imkereien. Als Tischler hat Karsten den großen Vorteil, dass er sich seine Beuten selbst bauen kann. Sie bestehen aus hochwertigem Holz und so wenig wie möglich Plastik. Auch Bio-Imker setzen auf Holz statt Plaste, verzichten auf Styropor und bedenkliche Anstriche. Seine einfachen Einraumbeuten sind handlich und beliebt bei Anfängern. Sie kommen auf Balkonen und in heimischen Kleingärten zum Einsatz. Karsten hat auf dem Hof seiner Gemeinschaftstischlerei gleich mehrere Beuten seiner Marke „Beutenkarl“ zu stehen. Der Zucker wird nun in Wasser eingerührt und dann geht es ab zur Fütterung. Jede Beute wird von oben geöffnet, das Zuckerwasser langsam eingelassen. Pro Winter führt Karsten diese Fütterung drei bis vier Mal durch, etwa 20 Kilogramm Zucker benötigen die Völker, um in der kalten Jahreszeit nicht leerzulaufen und zu überleben.

Verantwortung übernehmen

Wann Imker mit der Winterfütterung beginnen, ist eine spannende Frage. „Bei Treffen in den Vereinen können Imker stundenlang über solche Fragen diskutieren“, erzählt Karsten. Während das Imkern eine sehr stille Angelegenheit ist, werden die Bienenfreunden untereinander sehr redselig. Das Verhältnis zu den Bienen ist ein besonderes, es kommt wenig von ihnen zurück, sieht man von den schmerzenden Stichen ab. „Als ich mit dem Imkern begann, musste ich mich sehr überwinden, in ihren Lebensbereich einzudringen und in den Organismus einzugreifen“, erinnert er sich. Man trete bei der Arbeit mit Bienen in Beziehung mit sich selbst. Man kann sich den Insekten rücksichtslos oder einfühlsam nähern, jeder findet sich seinen individuellen Weg, um mit ihnen zu kommunizieren. Durch das Imkern hat Karsten gelernt zu verstehen, in welcher Wechselwirkung Mensch, Tier und Natur miteinander agieren.

Die Sonne lässt sich in diesem Spätsommer nicht oft blicken, das Wetter ist wechselhaft. Bevor es seinen Bienen an Nahrung fehlt, füttert Karsten lieber zu. Den Honig hat er bereits Ende Juli geschleudert, insgesamt 110 Kilogramm konnte er in diesem Jahr ernten, im vergangenen Jahr waren es 160 Kilogramm. Als Hobbyimker hat er keine eigenen Räumlichkeiten, in denen er den Rohhonig von den Resten der Bienenwaben trennen kann. Er mietet sich zum Schleudern die geeigneten Räume im Ausbildungszentrum für Imker/innen, kurz AUBIZ, in Charlottenburg an. Dafür benötigt er ein Zertifikat, das die Gesundheit seiner Bienen bezeugt. So soll verhindert werden, dass über unsauberen Honig Krankheiten über gemeinsam genutzte Räumlichkeiten weitergegeben werden. „Die Verantwortung, sich über die artgerechte Haltung von Bienen zu informieren und sich um die Völker zu kümmern, ist für mich eine wesentliche Voraussetzung für das Imkern“, so Karsten. Seit einigen Jahren können sich Interessenten Imker-Anfängersets in Online-Shops bestellen und sofort loslegen. „Damit wird der Trend bedient, der Leute zum Selbstmachen anregt und auf ursprüngliche Verfahren setzt“, so Karsten.

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